Retentionsraum Worringen: Blumenberg ist Teil des Plans

Plan
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Die Vorgeschichte Die Jahre 1993 und 1995 sind in die Kölner Geschichte als Jahrhunderthochwasser eingegangen. Mit dem Rheinpegel von 10,63 Meter und 10,69 Meter entsprechend hatten die dramatischen Naturereignisse erheblichen Sachschaden angerichtet. Um die Hochwasserrisiken zu senken, hatten sich im Jahre 1996 die Umweltminister der Rhein-Anliegerstaaten entschieden Aktionspläne zu erstellen, die mehr Ausbreitungsflächen für Rhein anbieten sollten. Zugleich beschloß das Land NRW das "Programm zum nachhaltigen Hochwasserschutz". Am 01.02.1996 hat auch der Rat der Stadt Köln das Hochwasserschutzkonzept verabschiedet.

Dieses Konzept sieht für den Kölner Norden einen Schutz bis 11,90 Meter Kölner Pegel (KP) vor. Die Experten gehen davon aus, dass dieses einem 200-jährigen Hochwassererignis entspricht. Für den Kölner Süden sieht das Konzept den Schutz bis zu 11,30 Meter KP, das einem 100-jährigen Hochwassererignis entspricht.

"Unter Retention versteht man die ausgleichende Wirkung von Stauräumen auf den Abfluss in Fließgewässern."
Aus Wikipedia
Im Rahmen des Konzepts wurden bis zum Ende 2008 umfangreiche Altdeichsanierungen und Errichtung von Schutzmauern zwischen Langel und Worringen vorgenommen. Das Ziel den Kölner Norden bis zur Marke 11,90 Meter KP zu schützen wurde damit erreicht. Nun meldete sich im Juli 2011 die Stadtentwesserungsbetriebe Köln AöR (StEB) mit einem konkreten Plan zur Realisierung eines weiteren Vorhaben - der Einrichtung des großen Retentionsraum Worringen, das bereits 2006 vom Kölner Stadtrat beschlossen worden ist.


Hr. Schaaf (StEB), Frau Wittsack-Jung (Bezirksbürgermeisterin Chorweiler), Hr. Dick (Bürgerverein Worringen)
Hr. Schaaf (StEB), Frau Wittsack-Jung (Bezirksbürgermeisterin Chorweiler), Hr. Dick (Bürgerverein Worringen)
StEB-Vorstand Otto Schaaf.

Aktuelle Entwicklung Die Informationsveranstaltung am 18. Juli im Vereinshaus Worringen hat auf großes Interesse der Bewohner von Worringen und der umliegenden Dörfer Roggendorf/Thenhoven und Fühlingen gestoßen. Die Anzahl der Teilnehmer lag bei über 500 Personen. Neben Vertretern der StEB waren auch Bezirksbürgermeisterin Frau Wittsack-Junge, einige Stadtpolitiker und die Presse anwesend. Mitarbeiter der StEB haben anhand von Plänen das Ausmaß bzw. Umfang der Umbaumaßnahme für den zukünftigen Polder (Retentionsraums - Überschwemmungsgebiets) erläutert. Das Volumen des Polders (Überschwemmungsgebiets) Worringen  beträgt ca. 29,2 Mio. m3. Der bereits realisierte Retentionsraum im Kölner Süden in Langen/Lülsdorf fasst ca. 4,5 Mio. m3 Wasser. Die Finanzierung des Bauvorhabens in Höhe von 55 Mio. Euro geht zu Lasten des Landes NRW.

Fakten zum Retentionsraum Köln-Worringen:
  • Der Schutz vor Hochwasser ist bis zum Kölner Pegel 11,90 m (statistische Wahrscheinlichkeit - einmal in 200 Jahren) gewährleistet
  • Die Entscheidung für die Flutung des Retentionsraumes wird durch die Kriesenstäbe des Landes NRW und der Stadt Köln getroffen und  darf nicht unter 11,70 m KP erfolgen
  • Das Volumen des Retentionsraumes - ca. 29,2 Mio. m3 (entspricht dem ca. fünffachen Violumen aller Fühlingen Seen und der Regattabahn zusammen). Der zweite im Kölner Gebiet Retentionsraum in Langel/Lülsdorf weist ein Volumen von lediglich 4,5 Mio. m3 aus.

Parallel zur Baudurchführung wird ein s.g. Betriebsplan erarbeitet, in dem man die genaue Funktion und Unterhaltung, sowie den Einsatz des Raumes bei Hochwasser festschreibt. Die Entscheidung zur Flutung des Raumes sollte durch die Kriesenstäbe des Landes NRW und der Stadt Köln getroffen werden. Vor Beginn der Flutung wird so genannte Flutungsbereitschaft ausgerufen. Die Öffentlichkeit wird über die bevorstehende Flutung (im optimalen Fall 48 Stunden vor dem Ereignis) informiert, die Zufahrtstraßen in den Polder für U nbefugte gesperrt und der erforderliche Personal- und Materialeinsatz veranlasst.

Informationsveranstaltung
Informationsveranstaltung
Im Vereinshaus Worringen war kaum noch
ein Platz frei.

 Die Spezialisten der StEB rechnen damit, dass bei einem Einsatz des Polders eine Scheitelabsenkung für Worringen bis zu 17 cm, und für die Kölner Altstadt bis zu 4 cm erzielt werden kann. Während der Veranstaltung wurden viele Fragen aus dem Publikum gestellt. Die meisten Sorgen machten sich die Anwohner um den Grundwasserpegel, der bei Flutung des Retentionsraums zwangsläufig steigen wird und somit zur Überflutung von Kellerräumen vieler Häuser führen kann. Ferner sorgten sich die Anwohner um die Trinkwasserqualität, die während der Flutungszeit (bis zu zwei Monate) sich verschlechtern kann. Das Problem des stark ansteigenden Grundwasserpegels wird im Fall der Flutung auch für Blumenberg akut, denn die Grenze des Retentionsraums verläuft auch am Blumenbergsweg.

 

Alexander Litzenberger, 26.07.2011
Foto: JP

Was erwarten Sie vom Projekt Retentionsraum Worringen? Diskutieren Sie das Thema in unserem Forum:

http://www.koeln-blumenberg.de/forum/forum/allgemeine-themen/das-wasser-kommt


Bei Fragen zum Retentionsraum Köln-Worringen wenden Sie sich bitte an die StEB: Stadtentwässerungsbetriebe Köln, AöR
Stichwort Retentionsraum

Ostmerheimer Straße 555

51109 Köln

Telefon Kundenberatung: 0221 22126868

Telefax Kundenberatung: 0221 22123646

oder per E-Mail

Weiterführende Informationen:

  • Website der StEB: Retentionsraum Worringen.
  • Auf der Seite http://www.hw-karten.de/koeln können Sie selber prüfen, ab welchem Hochwasserstand (den Pegel können Sie selber einstellen) ihr Haus bzw. Grundstück betroffen ist. Einfach auf der rechten Seite Ihre Straße und die Hausnummer eingeben.

Kommentare   

+2 #2 wahlkoelsch 2011-09-05 15:00
Nur eine kleine Ergänzug von mir:
Die Präsentation ist mit erläuternden Hinweisen versehen worden und kann nun auf der Homepage der StEB heruntergeladen werden.
Link: www.steb-koeln.de/retentionsraum-koeln-einzelheite.html
+3 #1 wahlkoelsch 2011-07-26 19:17
Ich habe diese Veranstaltung auch besucht... Meiner Ansicht nach überwiegen die Vorteile die Nachteile, besonders sogar für Worringen.

Eine kleine Korrektur zu den Daten hätte ich noch: Die Flutung des Polders soll nur dann stattfinden, wenn ein höherer Pegel als 11,90m erwartet wird. Dann würde das Wasser die aktuelle Deichkrone sowieso überschreiten. Mit der Flutung würde dies etwa 14h verzögern.

Nach Flutung verschiebt sich naturgemäß der Grundwasserspie gel (zeitverzögert) und dann auch neben Worringen besonders durch Blumenberg und Fühlingen. Jedoch war noch nicht ersichtlich in welcher Höhe. Da Blumenberg auf einem "Podest" liegt, würde ich erst einmal die genaueren Zahlen abwarten, um zu sehen, wie gravierend die Auswirkungen wären.

Wohlgemerkt - ohne den Polder wird bei einem solchen Hochwasser sowieso das Gelände überflutet - da sehe ich eine begrenzte Fläche mit gezielter Flutung als das kleinere Problem an.

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