Der Zankapfel Polder

Symbolbild
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Ungefähr alle 200 Jahre wird Köln von Monster-Hochwassern heimgesucht. Der Rheinpegel steigt dabei weit über 11,90 Meter. Um die verheerenden Folgen solcher Katastrophen abzumildern wurden seit den 80er Jahren mehrere Pläne für die Rheinanliegerstaaten entwickelt. Sie sehen für Köln u.a. die Einrichtung von s.g. Retentionsräumen in Langel und in Worringen vor. Mit 670 Hektar und ca. 30 Millionen Kubikmetern ist der "Polder" in Worringen eines der größten Überflütungsgebiete. Bei einer Hochwasserwelle von mehr als 11,90 m Kölner Pegel kann durch eine Flutung des geplanten Retentionsraumes in Worringen eine Absenkung um bis zu 17 cm erreicht werden, allerdings nur für ca. 14 Stunden.

Die zuständigen Behörden und kommunalen Dienste bemühen sich redlich um die Information und Aufklärung der betroffenen Bevölkerung. Dennoch stoßen die Pläne zum Teil auf heftigen Widerstand der Bürger. Auch der Bürgerverein Worringen ist gegen die Einrichtung des großen Retentionsraum und plädiert für die "kleine Lösung", bei der "nur" der Raum bis zur B9, und nicht, wie in der "großen Lösung" vorgesehen, bis zum Blumenbergsweg geflutet werden soll. Man ist entschlossen im Zweifelsfall zu klagen. Die Worringer bemühen sich die Unterstützung der umliegenden Stadtteile für ihr Anliegen zu bekommen. Auch die IG Blumenberg wurde gebeten Position zu beziehen. Im Verein sind die Meinungen geteilt. Man möchte nun mit Blumenberger Bürgern in den Dialog treten, um möglichst eine breitere Basis für die Entscheidung, in welche Richtung man sich positionieren möchte, zu schaffen. Es ist auch eine Mitgliederbefragung zum Thema geplant. Ende Dezember wird der Vorstand der IG Blumenberg e.V sich in der Frage für oder gegen den Retentionsraum Worringen positionieren. Unser Stadtteil soll zwar vom Hochwasser verschont bleiben, die Auswirkung auf das Grundwasser kann zumindest im Norden von Blumenberg zu einem Problem werden. Innerhalb der IG Blumenberg gibt es unterschiedliche Meinungen. Wir veröffentlichen heute zwei Standpunkte und hoffen auf eine konstruktive Diskussion in den Kommentaren zum Artikel und in Facebook.

Für Informationen über den Retentionsraum bitte hier klicken.

Redaktion, 19.11.2016

 

Pro Retentiosraum Worringen

Der Retentionsraum Worringen ist ein geplanter Überflutungsraum, um extreme Hochwasser abzumildern. Dieser ist schon seit längerem in der Planung und wird derzeit kontrovers von Bürgern in den angrenzenden Stadtteilen diskutiert. Davon betroffen sind die Stadtteile Worringen, Roggendorf-Thenhoven, Blumenberg, Fühlingen, Rheinkassel mit Kasselberg und Langel.

Auch Blumenberg wird davon betroffen sein, hier wird nun versucht eine objektive und rationale Bewertung aufzuführen mit entsprechendem Fazit.

Planung und vorliegender Hintergrund

Die letzten Baumaßnahmen zum Hochwasserschutz hatten eine Erneuerung und Erhöhung des Deichs, der vor einem Hochwasser bis 11,90 m (Kölner Pegel) schützt. Zum Vergleich: Der Schutz der Innenstadt von Köln ist um 60cm niedriger, d.h. auf 11,30 m.

Sollte es zu Extremhochwassern kommen, - es wird von statistischen 200-jahres Hochwassern gesprochen -, die den Pegel von 11,90 m zu überschreiten drohen, so ist ab dem Pegel von 11,70 m eine Flutung des Retentionsraums vorgesehen. Dadurch soll größerer Schaden abgewendet werden, zumindest um bis zu 14 Studen verzögert werden.

Welche Auswirkungen Hochwasser auf unsere Gegend haben können, ist mit Hochrechnungen auf der Hochwasserkarte für verschiedene Pegelstände darstellbar. Für den Bereich um den Worringer Bruch sind auch Simulationen mit und ohne Retentionsraum abrufbar. Bei einem Hochwasser, höher als 11,90m, ist Blumenberg umrundet von Wasser. Lediglich der Süden, Richtung Chorweiler, verbleibt trocken. Die S-Bahn wird nicht mehr fahren können, die Grundschule steht etwa zur Hälfte im Wasser, ebenso der kleine Wald zwischen dem Süden und Norden von Blumenberg. Einzelne Häuser wären gefährdet.

Blumenberg hat in dieser Hinsicht den Vorteil, auf einer kleinen Anhöhe im Bezug zur Umgebung zu liegen und käme im Vergleich zu den anderen genannten Stadtteilen noch recht glimpflich davon. Wohlgemerkt, dies alles ist unabhängig vom Retentiosraum.

Naturgemäß wird es auch Auswirkungen auf das Grundwasser geben. Diese wären abhängig vom Pegel des Hochwassers, wie hoch das Grundwasser zu Beginn des Hochwassers war und wie lange das Hochwasser besteht. Auch ein gefluteter Retentionsraum hat Auswirkungen auf den Verlauf der Grundwasserpegel.

Weitere Informationen sind erhältlich im Informationsbüro der StEB in Worringen. Lesenswert ist auch die von der StEB herausgegebenen Broschüre zum Retentionsraum, sowie eine Liste mit den häufigsten Fragen und deren Antworten zu diesem Thema.

Der aktuelle Planungsstatus 1

Es wurden im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens im vergangenen Sommer etwa 100 Einwendungen von verschiedenen Stellen dazu eingereicht. Diese werden derzeit bei der Bezirksregierung bearbeitet und beantwortet und werden am Erörterungstermin im Mrz. /Apr. 2017 öffentlich vorgetragen. Wunschziel ist es, in etwa 5 Jahren mit den ersten Baumaßnahmen zu starten. Dies wird jedoch wahrscheinlich nicht erreichbar sein, da mit Widerstand und Klagen gerechnet werden muss.

Hauptsächlich vorgebrachte Befürchtungen und der Versuch diese einzuordnen

An erster Stelle sind hier die möglichen Grundwasserschäden zu erwähnen. Insbesondere der längere Verbleib von Wasser in den tiefer gelegenen Bereichen des Flutungsbeckens führt zu einem höheren Anstieg. Einige Keller, insbesondere im Norden von Blumenberg, können feucht werden. Was wäre die Alternative im Extremfall? Überflutete Bereiche, die ebenfalls zu einem Anstieg des Grundwassers führen, dazu aber auch Oberflächenwasser.

Weiterhin wird die Zerstörung von Naturschutzbereichen im Worringer Bruch durch den langen Verbleib vom Wasser beklagt, ebenso der lange benötigte Zeitraum zur Regeneration. Ist das ein Punkt, der in einer Krisensituation beachtet werden muss? Es erweckt ein wenig den Anschein, dass z.B. verweigert wird, die Wertsachen und Familie mit einem Dieselfahrzeug ohne Partikelfilter in Sicherheit zu bringen.

In die ähnliche Richtung geht das Argument von belastetem Erdreich, welches durch die Flutung aufgeschwemmt werden könnte. Klar sollte sein, dass bei Hochwasser an vielen Stellen Schadstoffe freigesetzt werden, auch im Uferbereich vor den Deichen. Welcher Schaden hierbei insgesamt entstehen kann, ist nicht belegbar.

Ebenfalls ein großer Punkt ist die durch Überflutung nicht benutzbare oder zerstörte B9. Sollten die Deiche überflutet werden, dann ist allerdings ein noch größerer Bereich der Straßen nicht mehr nutzbar. Dass die B9 durch eine Flutung zerstört wird ist aktuell nicht belegbar, doch was würde das nach der Flut bedeuten? Es steht zu erwarten, dass die beschädigten Abschnitte im Anschluss neu und stabiler gebaut werden. Dass das Wegfallen der Straße während der Flut problematisch sein wird, ist nicht von der Hand zu weisen. Leider sind absolute Sicherheiten nicht möglich.

Noch die Überlegung, was wäre, wenn gleichzeitig zur Flut auch noch ein Unfall im angrenzenden Chemiewerk geschieht? Das wäre allerdings eine unglückliche Situation. Wie hoch ist die  Wahrscheinlichkeit, dass das geschehen kann? Wahrscheinlichkeitsrechnungen zeigen, dass gleichzeitig auftretende Vorfälle sich in der Wahrscheinlichkeit gegenseitig potenzieren und ziemlich gering werden. Vermutlich wird mehr Sicherheit erreicht, wenn sämtliche Kleinwagen und Krafträder durch sichere Mittelklassewagen ersetzt würden. Teile von Flittard, als Vergleich, sind ständig von Bayer und vom Rhein umfasst, nicht nur bei Hochwasser. Wie bereits geschrieben, absolute Sicherheit ist nicht erreichbar.

Mein Fazit

Es gibt keinen 100% Schutz, es gilt also anzustreben, im machbaren Rahmen den besten Schutz mit den geringsten bzw. vertretbaren Nebenwirkungen zu erreichen. Der Retentionsraum gehört meines Erachtens dazu, und zwar mit voller Kapazität von 14 Stunden Fülldauer. Weniger emotionale, d.h. weniger subjektive Bewertungen zu diesem Thema sind sicherlich wünschenswert.

Noch einmal an die großen Oder-Hochwasser erinnert: 1997 kam es zu schweren Zerstörungen. Im Wiederaufbau wurden Überflutungsbereiche geschaffen und im darauf folgenden ähnlichen Hochwasser von 2010 waren die Zerstörungen deutlich weniger schlimm.

Man könnte natürlich auch versuchen, wie im Mittelalter, die Überflutung durch den Bau von Kapellen im Gefahrenbereich zu verhindern. Aber das hat damals schon leider in den seltensten Fällen funktioniert.

17. November 2016, S. Yeh

1.  Quelle: Telefonat mit dem Informationsbüro am 15. Nov. 2016


"Da hilft keine Elementarversicherung, die Kosten tragen wir selbst."

Der Aktionsplan „Hochwasser“ soll die Gefahr eines Jahrhunterthochwassers eindämmen. Der Worringer Bruch soll laut StEB (Stadtentwässerungsbehörde) als Rückhaltebecken bis zum Bruchweg ( Roggendorf ) und bis zum Blumenbergweg ( Blumenberg ) geflutet werden.

Im Falle einer Flutung wären die Keller in Blumenberg meiner Meinung nach durch steigendes Grundwasser gefährdet.

Die umliegenden Bürgervereine haben einen kleinen Retentionsraum vorgeschlagen, das heißt Flutung bis zur B9! Der Worringer Bruch wird als Naturschutzgebiet erhalten.

Ich denke, dass der kleine Retentionsraum bereits Hilfe für Düsseldorf sein wird.

Die Landesregierung, in Person des Umweltministers Remmel, hat im Klimaschutzbericht 2016 vor Stürmen und Starkregen gewarnt – es wird ein wenig Schnee geben, das heißt 25 Schneetage weniger im Jahr. Minister Remmel sprach im Fernsehen nicht mehr von großen Rheinüberflutungen.

Nehmen wir an, der Worringer Bruch ist wie geplant geflutet und sollte dann noch ein „Starkregen“ über Blumenberg niedergehen, wie in diesem Jahr in der Eifel und Sauerland, - kleine Bäche wurden reißende Flüsse -, dann kann nichts mehr abfließen. Unsere Keller werden durch eindringendes Wasser geflutet.

Da hilft keine Elementarversicherung, die Kosten tragen wir selbst.

Das ist für mich ein Grund, - es gibt noch viele Gründe dagegen, die von anliegenden Bürgervereinen schriftlich fixiert im Widerspruch niedergelegt sind -, den großen Retentionsraum abzulehnen und mich für den kleinen Retentionsraum zu entscheiden.

Wie ich erfahren habe, 170 Personen haben gegen die Planung Widerspruch eingelegt.

Im Moment sehe ich eher, dass der Rhein nach Wasser schreit.

17.11.2016, Irmgard Stolpen

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